Prof. Dr. Anja Berger

Prof. Dr. Anja Berger ist seit Oktober 2020 Professorin für Psychologie am Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement.

21.03.2025

Prof. Dr. Anja Berger
Foto: Lukas Schramm

Inspiriert von wissenschaftlichen Vorbildern, ihrer Begeisterung für die Lehre und dem engen Bezug zur Polizei entschied sie sich für die Professur. Ihre Forschung und Lehre umfassen die Themen sexualisierte Gewalt, gendersensible Sprache und Kriminalitätsfurcht.

Wer oder was diente für Sie als persönliche Inspiration für Ihren Berufsweg als HAW-Professorin?

Im Wesentlichen haben mich drei Aspekte an die HAW und speziell die HWR gebracht: Vorbilder aus der Wissenschaft, das Lehren und der Polizeibezug – und eben der Umstand, dass sich an der HWR alles zusammenfügt. Schon während meiner Studien- und später auch Promotionszeit war meine Doktormutter für mich eine maßgebliche Inspiration, sowohl durch ihre fachliche Expertise als auch ihre tolle Art der Lehre und Betreuung von Studierenden. 

Zudem habe ich selbst schon immer gern unterrichtet und junge Menschen für Wissenschaft zu begeistern versucht. Dabei habe ich an Universitäten und privaten Hochschulen im In- und Ausland meine Erfahrungen gesammelt und schätze den persönlichen Bezug zu den Studierenden an HAWs sehr. 

Ein weiterer Aspekt, der mich nachhaltig geprägt hat, war der wissenschaftliche Bezug zur Polizei. Tatsächlich durfte ich bereits vor mehr als 20 Jahren im Rahmen eines Auslandspraktikums erste Einblicke in die polizeiliche Arbeit gewinnen, und habe prompt die Frauen in der Polizei in den Fokus meiner Diplomarbeit gerückt. Eine Hochschule in Berlin, in der zukünftige Polizist*innen ausbildet werden und die Polizei wissenschaftlich begleitet wird, war quasi ein unschlagbares Argument.

Ich wünsche mir, dass im Jahr 2040 an der HWR Berlin …

… das Lehren in modernen Gebäuden, mit speziellen Praxisräumen und kleineren Gruppen stattfindet. Ich wünsche mir, dass wir stringenter und entschlackter in der Selbstverwaltung beteiligt sind, dass wir selbstverständlich und ohne spezielle Zentren und singuläre Festlegungen Promotionen betreuen dürfen und losgelöster von den strengen LVVO-Vorgaben im Team-Teaching agieren. Ich ahne, dass wir papierlos arbeiten und forschen werden und womöglich keinen klassischen Bibliotheksstandort mehr benötigen und wünsche uns als Hochschule, dass wir Veränderungsprozesse schnell, einfach, offensiv und selbstbewusst an- und mitgehen. 

An welchen Projekten oder Forschungsthemen arbeiten Sie derzeit, die Sie besonders spannend finden?

Dafür reicht der Platz hier vermutlich nicht und die Zeit neben der vielen Lehre eigentlich auch nicht. Mich interessiert vieles: von der Rekrutierung und Zufriedenheit der Studierenden, über sexualisierte Gewalt (besonders in der digitalen „Welt“) und gendersensible Sprache bis hin zum Sicherheitsgefühl oder Kriminalitätsfurcht der Bevölkerung usw. Besonders spannend für mich – auch in Bezug auf Polizeiarbeit – ist die Frage, wie wir zukünftig mit der Variable Geschlecht umgehen und wie die Fluidität in Identität und Selbstzuschreibung zukünftige Polizeiarbeit beeinflussen kann und wird. 

Können Sie uns von einem prägenden Moment in Ihrer Karriere erzählen, der Sie besonders motiviert/beeinflusst hat?

Ich glaube, konkrete Momente, in denen sich ein Schalter umlegt, gibt es nicht so wirklich. Letztendlich sind es vielfältige Erfahrungen, die mich geprägt und begeistert haben: Zum Beispiel wie meine spätere Doktormutter die Vorlesung in Sozialpsychologie frei erzählend 90 Minuten gestaltet hat, immer tagesaktuell, nie langweilig – neben vielen anderen zum Teil didaktisch unterirdischen Veranstaltungen im Studium. Oder wie ich im Rahmen meines Praktikums bei der Polizei in England als 24-jährige deutsche Studentin eine Schwangerschaftsvertretung übernahm und in Vollzeit Assessment und Development bei Polizeifachkräften und Verwaltungsangestellten begleiten durfte. Beeinflusst hat mich auch die Erfahrung, als wir als studentische Hilfskräfte Befragungen zu sexuellen Gewalterfahrungen bei jungen Erwachsenen gemacht haben. Dazu sind wir mit klappbaren Holzhockern, etwas Geld und 20-seitigen Fragebögen durch Potsdamer und Berliner Einkaufszentren gegangen. Die Menschen haben sich hingesetzt und beteiligt – das hat mich wirklich beeindruckt.

Wie beeinflusst Ihr Hintergrund in der Psychologie Ihre Arbeit im Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement?

Der stärkste Einfluss findet sich sicherlich in der Lehre, wo ich mit den Studierenden psychologische Grundlagen für das polizeiliche Handeln erarbeite. Das ist ein ziemlich sportlicher Ritt durch nahezu alle Grundlagen in der Psychologie, um in erster Linie die Aufmerksamkeit und Sensibilisierung der jungen Menschen für die Diversität in der Gesellschaft zu schärfen und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Aber ich rate den Studierenden auch, neben dem Umgang mit Mitmenschen die eigene Fürsorge nicht zu vergessen. Wir sind in der Lehre nicht diagnostisch oder therapeutisch unterwegs, können aber durch Hintergrundwissen und Netzwerke den Studierenden bei Fragen, Sorgen oder Problemen zur Seite stehen. Darüber hinaus ist die Psychologie stark wissenschaftlich geprägt, was ich sowohl in der Lehre als auch in der eigenen Forschung täglich nutze.

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